Mein erstes Mal – der Anfang

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Und damit sind wir schon am ersten Tag der Reise. Es war stellenweise Regen angesagt. So fuhren wir um 08:30 bei nasser Straße in Grainau los. Aber es war trocken. Es ging in Richtung Plansee und das Wetter wurde nach und nach immer besser. Der Himmel klarte auf. Regen? Fehlanzeige! Man, hatten wir ein Glück. Um uns herum, so zeigte es das Regenradar, waren immer wieder Regenschauer zu sehen. Nur bei uns zeigte sich sogar die Sonne. Und so ging es, vorbei am Plansee in Richtung Via Claudia Augusta. Wir wurden von E-Bikern überholt. Kunststück, müssen wir die Leistung selbst erbringen, wohin die E-Biker ca 600 Watt Unterstützung in ihrem Motor haben.  Aber es sollte nur eine Stunde dauern, bis wir die Biker wieder überholten. In dieser Stunde fuhren wir unseren ersten Singletrail am Plansee. Das sah doch ganz passabel aus. Das wird schon im weiteren Verlauf der Reise gut werden. Zurück zu den E-Bikern: Sie saßen rauchend auf einer Bank in der Natur am Feldweg. Ich verstehe das nicht (und nicht nur aus der Brille eines Feuerwehrmanns)….

Wir kamen nicht ganz so schnell voran, wie ich mir das vorgestellt hatte. Was ich bei meiner Planung nämlich nicht berücksichtigt hatte, waren die vielen Fotostops und auch die ein oder andere Pause, die ich auf meiner Erkundung der Tour natürlich nicht gemacht habe. Nun und ich bin bei der Erkundung auch recht schnell geradelt. Auch nicht vergleichbar mit der REalität des Guiding. Und so kamen wir dann nicht wie geplant um 12 Uhr im Restaurant Talblick über Biberwier an, sondern eine Stunde später. Ich war hungrig und fror angesichts der doch nicht sommerlichen Temperaturen. Das änderte sich nach dem Mittagessen unverzüglich beim Aufstieg zum Fernpass, der sich anschloss.

Die Auffahrt zum Fernpass zeigte doch die Homogenität der Gruppe. Ich habe schon viel weiter auseinander gerissene Gruppen bei Steigungen erlebt. Und es war sichtbar, wie die etwas schnelleren Teilnehmer mit denen, die gerne etwas langsamer fahren arrangierten. Auch das ist sicher nicht immer so. Nach der Abfahrt nach Nassereith machte mein Dämpfer Probleme. Irgendetwas schlug an dem Dämpfer. Was, weiß ich immer noch nicht.

Doch das war nebensächlich, ich habe die Fahrt bis zur Kneippanlage vor Imst sehr genossen. Wir konnten uns besser kennenlernen. Die Gespräche werden nach dem Motto „What happens in Vegas, stays in Vegas“ hier natürlich nicht veröffentlicht. Aber jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin sorgte bei mir für Kurzweil, Lachen und gute Laune. So schnell kann es gehen. Letzte Woche noch unsicher, traurig ob des Wetters. Heute beste Laune dank der Gruppe und des Wetters. Der Rest des ersten Tages ist schnell erzählt. Schönes Hotel, schönes Abendessen und wieder sehr viel Spaß.

Das Wetter am zweiten Tag war besser angesagt. Und so konnten wir fast den ganzen Tag mit Sonne rechnen. Es ging etwas zu schnell auf dem Inntalradweg in Richtung Kronburg. Tja, und Als Guide kann ich die Schuld hierfür niemandem geben. Mit Ausnahme von mir selber. Mein Problem: Ich bin zu schnell, wenn ich in Gruppen fahre. Nicht die beste Voraussetzung, aber daran kann man ja arbeiten. Es ging auf einem schönen Waldweg hoch zur Kronburg. Und ich lernte wieder etwas für das Leben. Tschechische Wolfshunde sind ziemlich aggressiv und machen Angst, wenn ein Radler an ihnen vorbeifährt und der Besitzer sie nicht richtig festhält. Ich weiß heute noch nicht, ob er mich angeschrien hat, oder seine Hunde.

Bei der Abfahrt von der Kronenburg lag nun der erste richtige Trail vor uns. Wurzelanteile waren genauso vorhanden, wie mittelgroße Steine. Und auch hier Respekt für meine Gruppe. Nicht nur bergauf klappt es, sondern auch bergab wird ohne Murren Rücksicht genommen und eben auch gewartet. Über Landeck und Tobadil ging es auf den zweiten Trail des Tages. Ich war selbst etwas enttäuscht. Er war nicht mehr so flüssig zu fahren wie vor zwei Jahren. Und das zieht eigentlich eine logische Frage für eine Light-Tour nach sich. Aber auch das haben wir geschafft, bis wir um 13 Uhr in See lecker zu Mittag aßen. Das war auch nötig. Mittlerweile war es nicht nur warm geworden, sondern für meine Verhältnisse sehr heiß. Das alternierende auf und ab auf dem Paznauer Talweg (der eigentlich Paznauer Bergweg heißen müsste) ging schon an die Substanz meiner Mitstreiter. Es war anstrengend. Ggf. war ich den Nachmittag auch ein wenig zu schnell angegangen. Umso schöner war dann die Stärkung des immer guten Abendessen im Hotel Castel in Ischgl.

In Ischgl war es nun Zeit, für den nächsten Tag die Wettervorhersage zu prüfen. Unwetter war angesagt. Beginnend ab 10:00-10:30 Uhr. Starkregen sollte es sein. Und Gewitter noch dazu. Und natürlich darf auch der Wind, der mit 70km/h angekündigt war, nicht fehlen. Und so musste Plan B her. Bei diesem Wetter macht eine Fahrt auf dem Grenzkamm nur bedingt Sinn. Nein, ich drücke es anders aus. Es ist einfach zu gefährlich, so meine Risikoanalyse. Ich entschloss mich, sehr früh los zu fahren. Das, um schon ziemlich weit im Inntal zu sein, wenn der Regen und das Gewitter beginnt. Denn das heutige Ziel Scuol im Unterengadin liegt im Inntal. Und auf den Grenzkamm verzichtete ich auch. Ich fuhr mit der Gruppe sozusagen „Direttissima“ vom Flimsattel nach Samnaun. Knapp 1500 Höhenmeter waren am Stück zu vernichten. Zuerst auf schotterigen Pistenautobahnen aber dann fuhren wir einen wunderschönen Flowtrail bis zur AlpTrida und nachfolgend einen weiteren in Richtung Samnaun. Wir wollten picknicken, was angesichts des aufziehenden Schlechtwetters schwierig war. Aber wir deckten uns in der Sennerei in Samnaun mit lecker Käse und Wurst sowie Brötchen ein, die wir nach einer regnerischen Abfahrt dann regengeschützt in Schlamischott essen konnten.

Kurz nach dem Essen fing es wieder stärker an zu regnen. Wir fuhren den Radweg am Inn entlang, der später dann auch wieder einige Meter bergauf in den Wald ging, um kurz vor SurEn wieder den Inn zu erreichen. Der Regen war schon sehr stark. Das Wetter war nicht das gelbe vom Ei. Kurz vor Martina war der Gegenwind so stark, dass wir bergab treten mussten. Nahe SurEn donnerte es um uns herum. Das erste Gewitter, das auch angekündigt war. Wir machten im Gasthof eine Pause, um uns zu trocknen und etwas Wärme aufzunehmen. Und ich durfte noch Damen eines Joga-Camps kennen lernen, die sich auch in extatischem Tanz versuchten. Was das auch immer sei. Ich hätte gerne mehr darüber erfahren. Ich hatte aber keine Zeit, mich weiter darum zu kümmern.

Denn Scuol, das noch 45 Minuten vor uns lag, musste heute noch erreicht werden. So haben wir uns um ca. 15 Uhr entschieden, weiter zu fahren. Das war richtig so. Denn kurz vor Scuol kam das nächste Gewitter. Beide waren angesagt und kamen ziemlich pünktlich. Ein Dank an Pflotsch, die tolle Wetter-App! Zurück zum Gewitter. Die Umgebung wurde auf einmal beleuchtet. Ich suchte den Blitz und fand ihn linksseitig in eine Bergspitze einschlagen. Und da stand der Blitz für gefühlt 2 Sekunden. Das war schon beeindruckend. Nun aber ins Hotel, wo nach einer Wartezeit auf das Gepäck (Unfall im Landeck-Tunnel, welcher zu Verzögerung des Transport führte) das nächste beeindruckende Erlebnis vor uns stand: Das Abendessen im Hotel „Traube“ in Scuol. Ein niedliches Hotel mit grandiosem Essen. Wir fingen mit Gemüse Caspaccio an bevor uns eine leichte Kastaniensuppe das erste warme Essen an diesem Tag brachte. Der Lammrücken, der von einer roten Grütze abgelöst worden ist, rundete das Essen ab. Grandios! Und so ging es frisch gestärkt und zeitig ins Bett, denn die nächste Etappe nach Livigno sollte früh starten.

Tja, das Bett ist mein Thema an dem Tag gewesen. Ein schnuckelig kleines Einzelzimmer, dem rauschenden Gebirgsbach abgewandt, sollte mich die Nacht aufnehmen. Hat es auch. Wenn es mir auch recht klein war und somit mein Schlaf nicht ganz so entspannt war, wie ich dieses gerne gesehen hätte. Das Bett war mir einfach zu klein. Aber das ist Kleinkram und Klagen auf hohem Niveau. Ich versuchte noch meine Handschuhe, die Regenjacke und -hose sowie die Regenschuhe mit dem Föhn etwas zu trocknen. Das ist mir allerdings bei den Regenschuhen nicht geglückt. Sie hatten einfach zu viel Wasser aufgesaugt. Und das trotz Neopren Gamaschen. Sei es drum…

Hier einige Schönwetter-Naturfotos der ersten 3 Tage

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