Zwischen Kilometern & Momenten

Posted on

Rückblickend war mein letztes Mountainbike-Jahr eines, das sich weniger in Zahlen als vielmehr in Bildern, Gerüchen und Momenten messen lässt. Knapp 1.500 Kilometer stehen am Ende im Tacho – nüchtern betrachtet nur etwa 50 % des Vorjahres. Sportlich gesehen ist das zu wenig. Das weiß ich, und ja, darüber bin ich auch ein Stück weit enttäuscht von mir selbst. Die Gründe kenne ich allerdings nur zu gut: eine massive berufliche Belastung, die viel Energie gebunden hat und manches Vorhaben im Keim erstickte.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – war es ein Jahr voller Erlebnisse, die nicht in Zahlen zu messen sind, sondern in Gefühlen.

Denn diese 1.500 Kilometer waren mehr als genug, um die ganze Vielfalt draußen zu genießen. Ich war unterwegs im Winter, wenn Schnee und Eis die Wege still und fordernd zugleich machen.

Ich erinnere mich an Kröten, die plötzlich am Wegesrand saßen, als wollten sie sagen: Du bist hier nur zu Gast. An Murmeltiere, die mir mitten in der kargen, fast trostlosen Landschaft eines Marmorbruchs begegneten – ein Ort, der auf den ersten Blick hart und leblos wirkt und dann doch voller Leben steckt. Und ich erinnere mich an einen Weißkopfseeadler. Nein, den sah ich nicht in der Nähe von Seattle. Na ja, eigentlich sah ich dort schon einen, aber nur aus der Ferne. Aus der Nähe gelang mir das in Goslar zu Weihnachten 2025 am Steinberg. Und auch wenn er keinen weißen Kopf hatte, so ist er doch einer. Und zwar ein junger, der erst mit 6 Jahren seinen weissen Kopf erhält.

Im Sommer zeigte sich der Harz von seiner besten Seite. Die Landschaft wurde wieder grün, satt und weit, und von manchen Aussichtspunkten blieb ich länger stehen als geplant – nicht aus Erschöpfung, sondern aus purem Genießen.

Auch der Herbst meinte es gut mit mir: In Südtirol durfte ich eine wunderbare Mountainbike-Wander-Woche erleben. Goldene Farben, klare Luft, lange Anstiege und das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.

Grenzerlebnisse gab es ebenfalls – allerdings weniger im sportlichen Sinne. Meine körperlichen Grenzen habe ich in diesem Jahr eher behutsam behandelt (auch wenn sich gegen Ende andeutete, dass sie sich wieder verschieben lassen). Viel intensiver war die Auseinandersetzung mit einer anderen Art von Grenze: der innerdeutschen Grenze. Ich habe sie erfahren – auf dem Fahrrad, zu Fuß und vor allem inhaltlich. Geschichte nicht nur zu lesen, sondern sie zu begehen und zu begreifen, hat viele Eindrücke hinterlassen, die lange nachwirken.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Weniger Kilometer bedeuten nicht weniger Erlebnis. Dieses Jahr war vielleicht sportlich nicht mein stärkstes, aber es war reich an Eindrücken, Gedanken und Genussmomenten. Und sei es im Nebel zum Jahresende.

Ich freue mich auf das, was das nächste Jahr bereithält – neue Touren, neue Wege, neue Geschichten.

Und zum Abschluss teile ich ein Foto, das mir bildlich für die Anstrengung erscheint, die ich angesichts weniger Trainingskilometer in diesem Jahr bewältigt habe. Wenn der Dampf nicht für Anstrengung steht, was dann?

Manche Momente lassen sich nicht in Worte fassen, wohl aber in Bildern bewahren. Und ich hoffe, das ist mir in diesem Jahr auch wieder gelungen.