Herbstanfang..

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oder: Wie ich versuchte, den König zu besuchen, und meine Bluthydraulik dabei fast den Geist aufgab.

23.09.2026, 09:00 Uhr. Ich sitze im Auto, Radio an. Und kurze Zeit später flötet eine Stimme in mein Ohr: „Kalendarischer Herbstanfang! Exakt seit heute 02:05 Uhr MESZ!“. Ich bin irritiert, überlege, zu bremsen, weil ich in einer falschen Welt bin. Kalendarischer Herbstanfang 02:05 Uhr? Mitten in der Nacht? Hat sich denn Papst Gregor XIII. seinerzeit den Wecker gestellt, als er im Jahr 1582 unseren Kalender ins Leben rief? Ist er Nachts aufgestanden, um den Herbst offiziell anzuknipsen? War der Sommer um 02:04 Uhr einfach fertig und hat das Licht ausgemacht? Wie ein müder Gastwirt (so wie ich ihn gestern in Farchant vorfand, als ich ergebnislos nach einer Brotzeit zum Abendessen suchte), der einem (wie gestern erlebt) keinen Platz mehr gibt? Wie dem auch sein. Zum Kalender kommen wir später noch einmal– Denn jetzt heißt es: Herzlich willkommen zu meinem MTB-Bericht aus Garmisch-Partenkirchen! Es sollte mich nicht wundern, wenn heute nicht nur der kalendarische Herbst begonnen hat, sondern auch mein ganz persönlicher Mountainbike-Herbst. Aber fangen wir von vorne an. Wie immer.

Ich verweile ein paar Tage in meinen geliebten Alpen. Die liebe Claudia meinte nämlich mit bestechender Frauen-Logik: „Wegen einem einzigen DIMB Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs fährst du doch nicht extra alleine ganz in den Süden!“ Recht hat sie. Also verbinde ich das Nützliche (im Wundverband-Wickeln nicht völlig zu versagen) mit dem Freudigen (Pedale quälen). Heute sollte es dorthin gehen, wo König Ludwig II. – nennen wir ihn einfach „Luddy“ – auf 1.800 Metern ein Haus zimmern ließ. Warum baut man auf 1.800 Metern ein „Schloss“? Um 12 Tage pro Jahr dort zu verbringen? Ja, wahrscheinlich ist es das. Und ist es unwahrscheinlich, dass sein Architekt damals den ersten Entwurf auf einer Bierfilz-Serviette gezeichnet hat und Luddy darauf meinte: „Geil, schaut super aus, aber mach es auf einen Berg, damit ich auf mein Volk herunter schauen kann.“ Denn Fakt ist: Der Ausblick da oben auf das Alpenvorland ist absolut grandios.

Blick über Garmisch und Farchant ins Alpenvorland

Mein Plan: Start um 09:15 Uhr ab Kaltenbrunn Biathlonzentrum . 1.400 Höhenmeter, knapp 40 Kilometer. Vor – sagen wir mal – drei Jahren hätte ich diese Distanz bis zum Mittag verspeist, kurz einmal drüber gelacht und wäre nach dem Mittagessen noch die zweite Steigung gefahren. Heute? Nun ja.

Und es lag nicht daran, dass ich nach zehn Minuten Autofahrt umkehren musste, weil mein Navigationsgerät meinte, es müsse den Vormittag gemütlich im Hotelzimmer auf dem Nachttisch verbringen. Dieser kleine Fauxpas sei nur am Rande erwähnt. Letztlich rollte ich also pünktlich um 09:45 Uhr vom kostenlosen Parkplatz am Biathlon-Zentrum los.

Es war kühl. Beim ersten Startversuch um 09:00 Uhr zeigte das Thermometer flockige 4 Grad. Als ich die Pedale antrat, waren es immerhin stolze 8 Grad Celsius. Also exakt die Wohlfühltemperatur, bei der man im kurzen Trikot und in kurzer Hose vor die Tür tritt, um festzustellen, dass man eigentlich verrückt ist. Ich zog mir also sicherheitshalber eine dünne Radjacke über. Ich wusste ja: Es geht hoch, mein Körper wird schon bald als Biomasse-Heizkraftwerk agieren. Das tat er auch. Exakt nach 5 Kilometern merkte ich, wie mein Energiegenerator angeschmissen wurde. Fast so wie bei einer Kernschmelze im Atomkraftwerk.

Also: Jacke aus. Mein Systemgewicht erschien mir zu diesem Zeitpunkt ebenfalls bedenklich hoch. Abnehmen auf die Schnelle? Zwecklos. Meine doppelte warme Jacke in den Wald werfen? Geht nicht, Umweltverschmutzung. Das Fahrradgewicht reduzieren? Die Feile hatte ich vergessen. Das Wasser im 12-Kilo-Rucksack auskippen? Lieber nicht, sonst trockne ich aus wie eine Rosine. Ich brauchte also eine andere Lösung zur Ballastreduzierung.

Habe ich euch eigentlich schon erzählt, dass das WC am Bahnhof Kleis (betrieben von der Gemeinde Krün) ein absoluter Traum an Sauberkeit ist? Nein? Jetzt wisst ihr es. Da könnten sich die öffentlichen Toiletten in Goslar am Bahnhof….- ach lassen wir das. Es war eine reine Erleichterung! Natürlich nur, weil ich vor der Steigung noch einmal meine Hände reinigen konnte. Aber ich hatte auch Glück, hier anzuhalten, denn ich lernte durch einen herumliegenden Flyer, dass auf der Gröbl-Alm von Verena und Barbara eine professionelle Lomi Lomi Nui Massage (was das auch sein mag) angeboten wird.

Später musste ich allerdings erfahren, dass das gar keine echte Alm ist, sondern ein Hotel. Schade. Eine gepflegte Rücken- und Wadenmassage auf einer rustikalen Holzbank hätte meine Herbsttour heute sicher massiv aufgewertet.

Die ersten 5 Kilometer waren wirklich moderat. Wobei Claudia immer behauptet, meine Definition von „moderat“ stehe in keinem bekannten Duden der Welt. Es ging entspannt auf Asphalt neben der eingleisigen Eisenbahnstrecke entlang, während links die Blechlawine Richtung Mittenwald rollte. Nicht gerade das Traum-Stereotyp vom einsamen Bergfex, aber immerhin nicht allzu steil. Und somit zum Einrollen auch gut geeignet.

Asphalt Radweg in Richtung Mittenwald

Am Bahnhof Kleis ging es nach dem besagten Boxenstopp rechts ab Richtung Elmau. Elmau kennt ihr sicher: Das ist dieses Luxus-Retreat, in dem sich vor Jahren die Mächtigen der Welt trafen. Damals beim G7-Gipfel haben sie mitten in die unberührte Natur gefühlt sieben Hubschrauberlandeplätze betoniert. Nur damit Frau Merkel und Herr Obama auf einer Holzbank ein pressewirksames Foto machen und über die Weltrettung philosophieren konnten. Ein irrer Aufwand inklusive einer polizeilichen Einsatzleitzentrale, die nach meinen Informationen das gesamte Eisstadion in Garmisch beschlagnahmt hatte. Mir war das heute egal.

Ich kurbelte die Mautstraße hoch nach Elmau. Fahrräder zahlen keine Maut – HA! Ein Sieg für den kleinen Mann auf dem Sattel. Nach exakt 10 Kilometern bog ich endlich in den Wald ein. Feinster Schotterweg, Natur pur, fantastischer Blick zurück auf die Ausläufer des Karwendelgebirges. Und wer genau hinsieht, sieht zwei Bikerinnen. Über die beiden „Sportlerinnen“ lest ihr gleich noch.

Ratzfatz stand das Luxushotel vor mir. Zugegeben: Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich meine Konferenzen auch exakt hierher verlegen.

Heute war die Lage allerdings entspannt. Weder Obama, Trump noch Scholz oder Merz waren zum Glück weit und breit zu sehen. Nur eben ein Zivilwagen der Polizei mit Magnet-Blaulicht kam mir entgegen und zwei motivierte Soldaten marschierten durchs Unterholz.

Dafür gab es E-Mountainbiker. Jede Menge E-Mountainbiker. Ich mit meiner reinen „Bluthydraulik“ gehöre auf diesen Wegen mittlerweile einer aussterbenden Spezies an. Man könnte mich glatt als rollenden Oldtimer bezeichnen – was ja hervorragend zu meinem persönlichen Radl-Herbst passt. Aber wisst ihr, was ich trotz meines biblischen Alters nicht verlernt habe? Grüßen und freundlich sein. Das schien für die Fraktion „Akku-Power“ heute leider eine unüberwindbare Hürde zu sein. Mit geschätzten 20 cm Sicherheitsabstand und 25 km/h ballerten die ersten beiden Damen ohne Helm mir vorbei. Ich fuhr bei 4 % Steigung stoisch meine 14 km/h. Ich wollte es ja gemütlich angehen. Die beiden Strom-Fahrerinnen schnitten mich derart eng, dass mein Trikot im Fahrtwind fast geflattert hätte. Nur die enge Passform durch Gewichtszunahme hinderte es daran. Schön war allerdings, dass ich die beiden Damen ca. 600 Meter später wieder überholte – sie wussten mangels Orientierungssinn offensichtlich nicht, wohin sie wollten. Karma schläft nicht!

Aber weiter im Text: Ich kenne den Weg hier recht gut, da hier auch die Wettersteinrunde, die ich mehrfach fuhr, verläuft. Doch heute ging es nicht Richtung Eckbauer oder Partnachklamm und nach Garmisch, sondern hinauf zum Schachen, wo Luddys berühmtes Schachenschloss thront. So ging es kurz hinter Elmau links in den Forstweg.

Ich überholte ein paar Bio-Biker, die ich danach nie wieder sah, und traf auf zwei Wanderinnen. Die beiden gerieten beim Anblick von meiner Person in helle Panik. Na na, was denkt ihr? Natürlich nur bezüglich der korrekten Ausweich-Etikette. Die eine wich nach rechts aus, die andere nach links. Dann sah die Linke ihre Partnerin, erschrak und sprang wieder nach rechts. Dann wieder nach links. Es war ein tänzerisches Meisterwerk! Wir fingen alle drei an zu lachen. Ein freundliches „Hallo!“, ein halber Lachanfall der Blondine, ein herzliches „Servus, schönen Tag noch!“ – und in Gedanken dachte ich mir nur: You made my day! Solche Begegnungen sind auf den Bergen leider selten geworden. Oder liegt das etwa an meiner eigenen Wahrnehmung im Alter? Egal! Die Damen waren sympathisch, die Stimmung war top, also ging es hochmotiviert in den Hauptanstieg: 10 Kilometer und knapp 1.000 Höhenmeter.

Mein Navi zeigte gnadenlose Zahlen: 8 %, 10 %, 12 %, wieder 10 %. Liest sich ja nicht schlimm. Und das alles auf losem Schotter.

Die Steigung zeigt kein Foto so richtig. Aber glaubt mir, das frisst Körner. Ich war deutlich langsamer unterwegs als erhofft. Aber was erwarte ich eigentlich? Wer ein ganzes Jahr lang nur homöopathische Dosen an MTB-Touren absolviert, fährt eben nicht wie ein junger Gott den Berg rauf. Es war nicht mal die Lunge – es waren der Puls und meine Oberschenkel, die lautstark Streikandrohungen aussprachen. Kilometer um Kilometer kämpfte ich mich hoch. Wieder überholten mich E-Biker. Von zwanzig Fahrern sahen vielleicht vier wie Sportler aus. Der Rest? Sagen wir es so: Denen fehlte jegliche Grundfitnesstoleranz. Die hätten auf 2.000 Metern Höhe eigentlich eine Flugsicherung gebraucht. Wären sie mit einem richtigem Fahrrad gefahren- ein Sauerstoffzelt oder eine ECMO.

Denn ab Kilometer 4 war Schluss mit lustig. Der Schotterweg hörte auf – und die Hölle begann. Für meine Bluthydraulik jedenfalls. Die E-Bike-Fraktion schaltete einfach auf „Turbo“ und schwebte davon. Für mich verwandelte sich der Weg in eine Geröllwüste. Keine Kieselsteine mehr, sondern handfeste Brocken. Du findest absolut keine Linie. Jeder Stein, den Du nicht umfahren kannst, wirft dein Vorderrad zurück. Und musst mit purer Gewalt bzw. Kraft drüber treten. Steigung: 12 bis 13 %. Das klingt auf dem Papier harmlos, aber auf nassem, rutschigem Geröll mit etwas größeren Steinen versetzt ist das eine echte Ansage. Erst recht, wenn die Müslistangen in den Beinen nachgeben. Es blieb mir nichts anderes übrig: Ich musste absteigen.

Aber hey! Ich habe mal in einem offiziellen MTB-Buch des Alpenvereins gelesen: „Schieben ist eine alpine Taktik!“ Sehr schön. So kann man sich fehlende Oberschenkelmuskeln auch schönreden. Allerdings ist das Schieben eines 14-Kilo-Bikes auf steilem Geröll jetzt auch nicht unbedingt als Wellness-Anwendung zu verbuchen. So wechselte sich Fahren mit Schieben ab. Und Schieben mit Fahren. Freundin F. nennt diesen Zustand immer liebevoll „Duldungsstarre“. Und tatsächlich: In dieser Trance vergingen die Meter. Der Untergrund wurde rutschiger und meine Gedanken wanderten bereits vorsichtig zur Abfahrt. Schließlich habe ich meiner Familie hoch und heilig versprochen, mich nicht zu zertrümmern und am Stück nach Hause zu kommen.

Plötzlich blitzte zwischen den Bäumen die Alpspitze vor der Zugspitze auf. Und kurz darauf: Das Schachenschloss!

Oh Mann. Mein Navi meldete noch 2 Kilometer und 200 Höhenmeter. Das packen wir auch noch. Als ich schließlich oben ankam – die letzten Meter wieder schiebend – war ich wirklich überwältigt. Nicht von meiner sportlichen Glanzleistung, sondern von diesem unbeschreiblichen Panorama. Und von der Stille.

Es standen zwar gefühlt 50 Fahrräder dort. Bis auf drei Stück alles E-MTBs. Nur von den Fahrern fehlte jede Spur. Wahrscheinlich lagen alle erschöpft im Gastraum des Schachenhauses. Ich ging zum Schloss. Die nächste Führung durch das Königshaus sollte erst in anderthalb Stunden stattfinden und 6 Euro kosten. Es erschien mir ehrlich gesagt nicht sinnvoll, zu warten. Ich schaute mir das Gebäude von außen an und verweise auf diese Seite. Wahnsinn, wie liebevoll Luddy das bauen lassen hat: Holzschindeln und (vermutlich Blei-)glasfenster mit edlen Schiebeläden – und dazu dieser fantastische Blick in drei Himmelsrichtungen. Der Mann wusste definitiv, wie man residiert. Und wo man schöne Selfies macht 😉

Meine Beine waren schrottreif, mein Magen knurrte. Also rollte ich ein paar Meter tiefer zur Hütte. Plan: Ein schöner Apfelstrudel und eine große Spezi.

So gewaltig die Aussicht war, so tragisch war der Strudel. Er war… wässrig. Schmeckte im Grunde nach traurigem Nichts. Aber gut: Auf 1.800 Metern wachsen bekanntlich keine Apfelbäume. Woher soll auf der Höhe also ein meisterhafter Strudel kommen? Ich verzieh es dem Wirt. Ich verbrachte fast eine Stunde da oben in der Sonne. Fotos machen, verschnaufen und mit einem Pater telefonieren, der mich schon beim Aufstieg angerufen hatte (das ist eine andere Geschichte) und natürlich Speis und Trank zu mir nehmen..

Dann ging es an die Abfahrt. Höchste Konzentration! Mein Körper war durchgebrannt wie eine alte Glühbirne. Unterwegs holte ich ein Ehepaar ein. Die Dame war mir schon oben auf der Alm aufgefallen – nicht wegen böser Absichten, sondern weil ihr Wandertrikot einfach genial aussah. Noch schöner würde es am Körper von Claudia aussehen und somit wäre es das perfekte Geschenk! Ich bremste also gekonnt ab und hielt direkt neben den beiden an. Die Dame war sichtliche erfreut über mein modisches Kompliment. Sie zog sogar extra ihre Weste aus (nein, nicht was ihr jetzt wieder denkt!), um auf dem Etikett nach der Marke zu schauen: Castellani. Ein enges Rennrad-Trikot. Okay, das würde Claudia im Leben nicht passen – und mir erst recht nicht, dafür bin ich etwas zu gut gebaut. Heute hat Castellani auch nicht mehr so schön bunte Trikots. Ein kurzes Dankeschön, ein freundliches „Schönen Tag noch!“ und weiter ging die Fahrt.

Später überholte ich noch ein E-Bike-Pärchen. Der Dame hatte ich beim Aufstieg noch ausführlich erklärt, wie man an steilen Schotterhängen sanft anfährt, ohne dass das Hinterrad durchdreht. Hat sie brennend interessiert! Sie schob ihr Rad stur bis zur nächsten Flachpassage, um dort mit voll durchdrehendem Reifen anzufahren. Nun gut… manche Lehren muss man wohl selber ziehen.

Die Zeit flog dahin. Auf dem Weg nach Elmau sah ich noch die Wassertränke, die auf jeden Fall den Herbst ihres Lebens erreicht hat. Bergauf ist sie mir gar nicht aufgefallen. Wieso wohl? Egal, Elmau war schneller erreicht als gedacht. Hier wollte ich eigentlich entspannt weiterrollen, doch mein Navi zeigte unbarmherzig nach links Richtung Eckbauer/Hintergraseck. Ich vertraute dem Wunderwerk der Technik. Ein Fehler! 😉 Plötzlich standen noch einmal 200 Höhenmeter auf 2 Kilometern auf dem Display! Scheiße! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet!

Ein Blick zurück, aber auf dem Foto sieht das ja gar nicht steil aus. Wahrscheinlich habe ich mich auch nur angestellt und es war locker zu radeln – für alle anderen (die ich nicht sah)

Am Ende kratzte ich fast die Bergstation vom Eckbauer, um anschließend über einen extrem steilen, asphaltierten Waldweg ins Tal zu ballern. Bremsen war hier reine Dosierungssache – zumindest so lange, bis die Bremsscheiben glühten und leise zu singen begannen.

Unterwegs passierte ich noch einige Orte, die sich hervorragend als „Helden-Zeuge-Plätze“ geeignet hätten (ihr erinnert euch an meinen Blogartikel zu diesem Thema?). Sprich: Orte von absoluter, einsamer Schönheit, so satt grün, wie man es im Spätherbst gar nicht mehr erwarten würde.

By the way: Die Farben sahen in Natur wirklich so aus. Kein Foto hat irgendeine Bearbeitung erfahren. Und nach genau 5 Stunden rollte ich wieder am Auto ein. Völlig im Eimer. Aber glücklich.

Was bleibt vom Tag? Nun, erstmal das Rätsel um die 02:05 Uhr (Nerd-Wissen kommt somit zum Schluss). Meine Recherche ergab, warum der Herbstanfang exakt um 02:05 Uhr MESZ war, wenn doch angeblich „Tag und Nacht gleich lang“ sein sollen? Ganz einfach: Die astronomische Tagundnachtgleiche (Obacht, jetzt kommt ein klasse Wort: Das sog. Äquinoktium) ist ein exakter Zeitpunkt, kein ganzer Tag! Am 23. September 2026 um Punkt 02:05 Uhr überquerte der Mittelpunkt der Sonne auf seiner Bahn den Himmelsäquator von Nord nach Süd. Bumm. Astronomischer Herbst. Das bedeutet aber nicht, dass wir an diesem Tag exakt 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit haben! Effektiv dauert es in Deutschland noch bis etwa zum 25. September, bis Tag und Nacht wirklich exakt auf die Minute gleich lang sind. Und zack, wieder was gelernt.

So! Jetzt habt ihr nicht nur hoffentlich schöne Fotos gesehen und habt gedanklich mit mir an den 13-%-Steigungen gelitten (zumindest aus purer Solidarität!), sondern wisst auch beim nächsten Kneipenabend über Astrophysik Bescheid.

Und so schließe ich auch mit dem Herbstthema ab: Ob ich heute meinen ganz persönlichen Mountainbike-Herbst eingeläutet habe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Lasst mich über den Winter wieder ein bisschen trainieren, dann sage ich es euch zum Herbstanfang 2027. Oder ich kaufe mir bis dahin einfach auch ein E-MTB mit Moped-Motor. Dann ist es völlig egal, ob persönlicher Herbst ist oder nicht! Morgen soll das Wetter schlechter werden. Es ist Regen und Kälte gemeldet. Ich werde also die Wanderschuhe schnüren. Und mal sehen, wo es mich am Freitag auf dem Bike hinverschlägt – hoffentlich wieder bei feinstem Altweibersommer-Wetter.

In diesem Sinne: Pfüat euch oder Servus miteinand! Habt einen wunderbaren Herbstanfang, während ich beim Blick aus meinem Zimmer noch die erste Herbst-Abend-Stimmung des Jahres 2026 genieße.