Mein erstes Mal – Einführung

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Heute möchte ich dem geneigten Leser oder auch der Leserin meines Blogs Einblicke in mein erstes Mal geben. Ich bin darum gebeten worden. Und ich möchte hier mit einem großen Missverständnis aufräumen.

Man sagt ja landläufig, dass das erste Mal nicht so schön sei. Und hierfür mag es viele Gründe geben. Eine unzureichende Vorbereitung, die Zeit ist einfach noch nicht reif, ggf. die falschen Partner, übertriebene Erwartungshaltungen… Und es gäbe noch viel mehr zu nennen. Doch mein erstes Mal war komplett anders. Wer jetzt meint, dass ich über meine ersten zutiefst zwischenmenschlichen Erfahrungen berichte, der wird enttäuscht. Es geht um mein erstes Mal, das ich als Mountainbike Guide eine zum Glück hochmotivierte und sympathische Gruppe über die Alpen führen durfte. Und ich darf vorweg schon sagen, dass -und dieser Vergleich mit dem zwischenmenschlichen ersten Mal sei gestattet-  auch dieses Erlebnis wohl in meiner Erinnerung bleiben wird. Und darüber bin ich auch sehr glücklich. Doch wie immer hier auf meiner Seite fange ich ganz von vorne an.

Es war im Jahr 2019, als ich mit meinem besten Spezi Frank eine Individual-Mountainbike-Tour über die Alpen fuhr. Wer mich kennt, und diesen unregelmäßigen Block verfolgt, weiss, wie sehr ich die Zeit auf meinem Drahtesel in den Alpen genieße. Und ich habe es auch genossen, die Verantwortung für Frank und mich zu übernehmen. Denn ich kannte die seinerzeit gefahrene Route von Garmisch zum Comer See schon recht gut. Gehört sie doch zu den von mir bevorzugten Wegen, die man mit einem Mountainbike und meinen Fähigkeiten befahren kann. Und so reifte nach und nach aus diversen Gründen der Wunsch, diese Erfahrung auszubauen und neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Mountainbike Guide zu arbeiten. Viele Fragen stellten sich mir. Bin ich überhaupt geeignet? Habe ich das fachliche know how? Was kann ich meinen Gästen wohl mitgeben? Schaffe ich das regelmäßige Training neben meiner herausfordernden Arbeit? Und nicht zuletzt war die Frage zu beantworten: „Welches Unternehmen mag es wohl mit einem Einsteiger versuchen, der schon weit jenseits der 50 Jahre ist?“.

Nun, einige Fragen konnte ich mir selber beantworten, bei anderen Fragen habe ich mir sachkundigen Rat bei dem herausragenden Guide Holger geholt. So war es 2020 so weit, dass ich nach meinem Bewerbungsverfahren und auch nach Empfehlung von Holger bei ULPBike meine Ausbildung erhielt. Doch da war noch Corona. Die für 2020 geplanten Routen konnte ich nicht fahren und erkundete dann eher einige Routen, so dass ich auch die fachlichen Fähigkeiten habe, die Wege ohne Verfahren, ohne Umwege zu finden.

Und so sollte es dann 2021 passieren. Das oben schon beschriebene erste Mal, dass ich eine Gruppe über die Alpen führen durfte. Am 10.07. ging es los. Am 60. Geburtstag meiner Schwester, die naturgemäß traurig war, dass ich früh morgens die Fahrt von Goslar nach Grainau, dem Startort unserer Tour, auf mich nahm. Denn auch sie hat mich motiviert, den Weg als nebenberuflicher Mountainbike-Guide zu gehen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich nicht einfach so nach Grainau gefahren bin. Nein, es gehört zu meiner grundsätzlichen Einstellung, dass ich mich auf Herausforderungen optimal vorbereite. Auch wenn mein alter Chef und Mentor mich stets motivierte, mich auf ungewöhnliche Situationen einzulassen und nicht alles 100%ig vorzubereiten, so entspricht das in diesem Fall nicht meiner Vorstellung. Ich habe auf der Tour die Verantwortung dafür, dass die Kunden ihre Urlaubszeit, die häufig die schönste Zeit im Jahr sein wird, unbeschwert mit tollen Eindrücken genießen können. Und letztlich natürlich auch dafür, dass sie gesund und ohne Verletzung die Tour überstehen.

Und so hatte ich für viele Eventualitäten einen Plan B ausgearbeitet. Hoffend, dass dieser Plan B nicht nötig sein wird. Ereignisse, die den Plan B auslösen könnten, sind natürlich Stürze, Krankheiten, Sperrung von Wegen und natürlich auch das Wetter. Und gerade beim letzten Thema machten mir die Informationen aus der Woche vor der Tour Sorgen. Die wochenlangen Hochdrucklagen der vergangenen Jahre mit viel Sonnenschein und somit warmem und trockenem Wetter sollten in diesem Jahr nicht meine Tour begleiten. Vielmehr war eine breite Kaltfront zu erwarten, die nach und nach ganz Mitteleuropa erreichen sollte. Und wie es sich für eine gute Kaltfront gehört, geht mit dieser natürlich auch Niederschlag einher. Und beides war für fast die ganze Tour angesagt.

Da das Wetter bei einer vernünftigen Fahrweise das größte Risiko für uns darstellte, habe ich täglich die Wettervorhersagen unterschiedlicher Wettermodelle bei www.kachelmann.de betrachtet. Die Wettermodelle waren schon recht früh eindeutig und wenig widersprüchlich. Regen in starken Mengen war mit täglich zunehmender Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Das drückte naturgemäß meine Stimmung. Denn erstens macht eine Alpentour, bei der wir täglich mehr als 8 Stunden in der Natur im Sattel sitzen, bei Regen tendenziell weniger Spaß als bei Sonnenschein. Und ich hatte auch die Erwartung, dass sich tagelanger Regen negativ auf die Stimmung in der Gruppe auswirken wird. Meine liebe Ehefrau Claudia kann ein Lied davon singen, wie meine Stimmung kurz vor Abfahrt zunehmend auf den Nullpunkt sank. Und im Nachhinein tut mir das auch sehr leid. Denn erstens wird eine Suppe nie so heiß gegessen, wie sie gekocht wird und zweitens habe ich mir dieses Hobby und nun auch die Tätigkeit als Guide selber ausgesucht. Kneifen ging somit auch nicht.

Ich fuhr also mit einigen sorgenvollen Gedanken am 10.07. gegen 04:45 Uhr los. Über die A38 und A9 war ich bei ganz moderatem Verkehr schnell in München. Nach 5 Stunden und somit noch vor 10 Uhr erreichte ich die Stadt. Und ich ging davon aus, dass der Rest ein Klacks ist. Doch weit gefehlt. Denn nach München begann der Ausflugsverkehr und dieser kombiniert mit zwei Baustellen und einem liegengebliebenen Fahrzeug führte dazu, dass ich noch einmal knapp die Hälfte der Zeit, die ich von Goslar nach München gefahren bin, benötigte, um in Garmisch-Partenkirchen – genauer gesagt in Grainau- anzukommen. Ich bekam von Heinke mein Zimmer zugewiesen und traf auch gleich zwei weitere Guides, mit denen ich mich noch über das zu erwartende Wetter und mögliche „Plan B“ austauschte. Nun habe ich noch die letzten Vorbereitungen durchgeführt, bevor ich ab 16:30 Uhr „meine“ Gruppe und 13 Individualreisende kennenlernen durfte.

Und wie das alte Sprichwort so sagt, sieht man sich im Leben immer zweimal. Mit mehreren bin ich schon als Gast Mountainbike-Touren über die Alpen gefahren und ich hatte unterschiedlichste Erinnerungen an die Zeit. Leider hatte ich bis 18 Uhr gar nicht genug Zeit, meine Gäste näher kennen zu lernen. Ich kümmerte mich um die Individualreisenden, übergab noch Mietfahrräder, als ich dann erwartungsvoll gegen 18 Uhr unsere Schicksalsgemeinschaft der nächsten 6 Tage kennenlernen konnte.

Es ist eine interessante Mischung unterschiedlichster Persönlichkeiten. Und das ist es doch auch, weshalb ich die Touren mache. Zum einen, um den Gästen eine schöne Zeit in der für mich schönsten Region Europas (die Alpen) zu bereiten. Und -das ist genauso wichtig- eine Zeit mit unterschiedlichen Charakteren zu verleben. Von ihnen zu lernen und auch zu lernen, mit unterschiedlichen Ansichten und Verhaltensweisen (die sich häufig ja in Belastungssituationen zeigen) umzugehen und auch den Horizont zu erweitern. Das kann mich persönlich und natürlich auch beruflich nur nach vorne bringen. Und es macht mir ja auch Spaß, mit Menschen umzugehen. Wer meine extrovertierte Persönlichkeit kennt, mag dieses nachvollziehen. Trotz der Vorfreude auf das erste Mal war aber auch weiterhin eine Menge Respekt und Unsicherheit dabei, wie es nun wird. Wird das erste Mal so toll, wie ich gehört habe, oder wird es eher enttäuschend und ich nehme das als überbewertet wahr.

Hierfür benötigte ich nicht die ganze Woche, die wir unterwegs waren. Erste Indikationen, die sich zunehmend betätigten gab es schon beim ersten Treffen am Sonnabend, als die Gruppe sich erst einmal ohne mich kennenlernen musste, da ich noch Individualreisende betreute. Und auch am ersten Vormittag des 11.7. auf unserer ersten Etappe war schon früh zu sehen, dass die Gruppe nicht nur sportlich, sondern auch menschlich bestens harmonierte.

Nun noch einige Fotos, wo ich mein erstes Mal erleben durfte

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