Amore
Verona, die Stadt der Liebe, war der letzte Ort, den wir auf unserer Städtereise besuchten. Wie auch schon nach Florenz brachte uns der Frecciarossa von Bologna Centrale, jenem Bahnhof, an dem am 2. August 1980 85 Menschen bei einem Bomenattentat ihr Leben ließen (die linksseitige Uhr zeigt heute noch die Zeit der Explosion) in einer Stunde in die Stadt von Romeo und Julia.
Hier sei eine Anmerkung zu unseren Zugfahrten in Italien erlaubt: Wir waren mit diesem Schnellzug sehr zufrieden. Und im Gegensatz zum Flug mit der Lufthansa gab es sogar einen kleinen Snack auf den maximal 60-minütigen Fahrten 😉


Die Bahnhöfe, sei es in Bologna, Florenz oder auch Verona waren stets voller Menschen. Das bedeutete auf der einen Seite eine gewisse Hektik, auf der anderen Seite aber eben auch sehr rücksichtsvolle Menschen – es sei denn, es sind überforderte? Touristen aus Asien oder Deutschland ;-). Der öffentliche Nahverkehr erschien uns sowieso sehr umfangreich. Wir haben noch nie so viele Busse in so kurzer Zeit gesehen, wie in Bologna. Und auch vollbesetzte Züge, bei denen man im Frecciarossa automatisch einen Sitzplatz reserviert (ganz im Gegensatz zur Deutschen Bahn) waren an der Tagesordnung. Es stand übrigens Niemand in den Zügen. Auch das ganz im Gegensatz zur Deutschen Bahn. Das mag ggf. eine Momentaufnahme von uns sein. Oder aber es ist die logische Konsequenz von Konkurrenz und/ oder einem guten (ggf. geförderten?) öffentlichen Transportwesens.
Doch zurück zu Verona. Ein Bus brachte uns für 1,50 € (Gültig für 90 Minuten) direkt zur Arena von Verona. Sind es ggf. auch diese Preise, die den öffentlichen Nahverkehr so attraktiv machen? Es könnte sein. Zumindest war der Preis nicht annähernd so unattraktiv, wie die Preise für eine Busfahrt in der Provinz von Goslar.
Die Fahrt mit dem Omnibus hatte auch noch gleich einen Erlebnisfaktor. In Disneyland hätte man es nicht besser anbieten können. Denn sie glich der Fahrt auf einem römischen Streitwagen. Vollgas, Kurve, Vollbremsung, Hupen, weiter ging es mit Vollgas, u.s.w.. Der Fahrer gab wirklich alles, um uns das Gefühl zu vermitteln, wir würden wirklich in einem römischen Streitwagen stehen. Doch das hielt nicht lange an, denn angesichts der Ruppigkeit der Fahrt, setzten wir uns dann doch sehr schnell hin. An gefahrloses Stehen war nicht zu denken. Aber wir erreichten zum Glück ohne Unfall (einmal war es ganz knapp) die Arena. Wir freuten uns auf dieses in der Mitte der Stadt gelegene Bauwerk. Schlecht vorbereitet hatten wir natürlich keine Karten für die Besichtigung reserviert. Das ging an diesem Tag aber auch gar nicht. Denn Montags ist die Arena, an der derzeit gebaut wird, geschlossen. So beließen wir es gezwungenermaßen bei einer Umrundung des beeindruckenden Bauwerks und schossen einige Fotos inkl. eines gleichförmigen Eis am Stil.



Wie erwähnt, war nicht nur die Arena geschlossen. Dieses galt auch für viele Museen und Kirchen an diesem Montag. Wir waren etwas enttäuscht. Aber angesichts der Ruhe, die Verona im Gegensatz zu Bologna und Florenz auf uns ausstrahlte (es waren nicht ganz so viele Besucher an jenem bedeckten Tag dort), haben wir unseren Rundgang durch die historische Altstadt mehr als genossen.
Was schaut man sich in der Stadt der Amore, in der Stadt von Romeo und Julia an? Nun, da ist erst einmal die oben beschriebene Arena. Es ist bemerkenswert, dass dieser knapp 2000 Jahre alte Bau immer noch steht, so dass seit Anfang des letzten Jahrhunderts auch wieder regelmäßig Aufführungen in diesem römischen Amphitheater stattfinden. Während unseres Besuchs in Verona wurde an der Arena gebaut. Vermutlich damit das Theater auch in einem Zustand erhalten bleibt, so dass es auch zukünftig regelmäßige Aufführungen beherbergen kann.
Neben der Arena beeindruckte uns die historische Altstadt mit ihren gut erhaltenen römischen Bauwerken sehr. Ein Spaziergang entlang der Etsch und durch die engen Gassen der Stadt ließ uns in eine historische und romantische Atmosphäre eintauchen. Der berühmtesteste Balkon der Stadt, nämlich der von Julia trug jedoch nicht dazu bei, Romantik zu verspüren. Natürlich war auch er am Montag geschlossen. Für uns kein Problem, weil wir hierfür auch keine 6€ ausgegeben hätten, nur um auf dem Balkon neben zig anderen Touristen zu stehen.


Uns genügte der Anblick der Statue der Julia und der wild gewordenen Touristen unter dem Balkon. Gefühlt jede(r) Zweite berührte die rechte Brust von Julia. Männer wie Frauen. Wir dachten zuerst an die Loveparade, haben uns aber eines Besseren belehren lassen müssen: Viele glauben offensichtlich an den Mythos, durch die Berührung der rechten Brust der Statue, ewiges Glück in der Liebe zu finden ist. Nun gut, das mit dem Anfassen ist mal ein Mythos. Doch warum sollten wir den Mythos auf die Statue von Julia beschränken? ;-). Altherren-Scherz beiseite – So wie die vielen Fotos geschossen wurden, erinnerte das doch eher an das Verhalten junger Teenager, die ihre Idole sehen, als an das, wofür Romeo und Julia stehen: Für die Kraft und Intensität der Liebe, die alle Hindernisse überwinden kann.
Wir fanden es schon seltsam und erfuhren auch, dass die Originalfigur der Julia im Jahr 2014 aus Gründen des Denkmalschutzes durch eine Kopie ersetzt wurde. Es war auch zu lesen, dass das Material der rechte Brust durch die vielen Berührungen mittlerweile ein Loch aufweisen sollte. Zusammengefasst: Es war nicht die Krönung unseres Besuchs, aber ein doch irgendwie ein Muss.



Was unsensible Touristen neben Löchern in Brüsten auch noch so verursachen, sahen wir beim Eingang in den Hinterhof: Unbeschreiblich erscheint uns, warum fremdes Eigentum zu verschandelt, beschmiert bzw. beschädigt wird. Man sollte doch mit fremdem Eigentum so umgehen, wie mit dem eigenen. Und ich glaube nicht, dass viele Menschen es toll fänden, wenn ihre Häuserwände, Wohnzimmertapeten, Schlafzimmerschränke mit Schmierereien und Aufklebern verunstaltet werden.

Zurück zu den schönen Seiten von Verona: Von der Piazza Bra, an der die Arena liegt, führte uns unser Weg an der Portoni della Bra vorbei zum Museum Castelvecchio, was Montags leider auch geschlossen hatte. So gingen wir über die Brücke Bogenbrücke Ponte Scaligero auf die andere Seite der Etsch und konnten so eine erste Perspektive auf die Altstadt von Verona erhalten. Nicht, ohne einer schönen Gitarrenmusik auf der Mitte der Brücke zu lauschen. Es war zwar keine italienische Musik, sondern eher Jazz und Bossa Nova, aber es brachte eine besondere Stimmung.




Am weißen Marmorbogen Arco dei Gavi, der im 1. Jahrhundert nach Chr. gebaut wurde, ging es vorbei

und wir schlenderten durch die engen Straßen und Gassen in Richtung Piazza Erbe. Der Blick vom Torre dei Lamberti (der hatte nicht geschlossen, juhu) zeigte noch einmal die Schönheit der Altstadt von oben. Und er erlaubte noch einen entfernten Blick auf die Arena.



Wir hatten weiter Gefallen an den kleinen Straßen abseits des Touristenrummels, gingen am Domkomplex von Verona vorbei, wo wir die Etsch wiederum überquerten, um nach der Aussenansicht der Parrocchia di San Giorgio in Braida mit der Standseilbahn zum Castel San Pietro hochzufahren. Ein weiterer schöner Blick auf die Stadt und die Etsch eröffnete sich, bevor wir am antiken römischen Theater Teatro Romano di Verona, das heute offensichtlich wieder für Veranstaltungen genutzt wird, zurück in die belebte Altstadt zu gehen.




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