– diesmal ohne Tom Hanks, aber mit uns! Und wer bei diesem Titel auf Kino-Romantik und Radiobekenntnisse hofft, den muss ich enttäuschen – oder vielleicht auch nicht, denn die Hauptrollen in diesem Abenteuer spielen Claudia, Oskar, ich selbst und unsere Freunde, die wir seit stolzen 30 Jahren kennen. Eine echte Hollywood-Besetzung also, nur mit weniger Drehbuch und mehr Herz.
Die Geschichte beginnt nicht mit dramatischer Musik, sondern ganz klassisch: mit einem Flug. Hannover–Frankfurt, Frankfurt–Seattle.

In einem A350, der so leise schnurrt wie eine zufriedene Katze, ging es nun über den Atlantik. Die Klimaanlage? Ein Gedicht für die Schleimhäute. Und Michel (nein, nicht aus Lönneberga) sowie France-Chantalle hätten locker den Titel „freundlichste Crew über den Wolken“ verdient. Nur wenige Ruckler trübten die Reise – nennen wir sie höflich „himmlisches Zähneklappern“.
Doch dann: Kino für die Augen! Nachdem wir zu Beginn einige Cumulus Wolken hatten, zog sich der Himmel unter uns zu.

Aber über Grönland riss der Himmel auf und ließ uns auf endlose Gletscherlandschaften blicken, als hätte Elsa aus Frozen persönlich das Bühnenbild gestaltet. Mit 40.000 Fuß Abstand konnte man sich fast winzig fühlen.


Nachdem wir nun auch noch Kanada (oder sollte man sagen, den 53. Bundesstaat der USA – ach nee, lassen wir das ;-))überquerten, zeigte sich auch Mount Baker, der stolz wie ein Vulkan-König aus dem Kaskadengebirge grüßte.



Der Anflug auf Seattle? Wie aus einem Werbespot: links Mount Rainier, rechts die Space Needle – die aus dieser Höhe fast wie ein Zahnstocher wirkt.


Nach 9 Stunden und 45 Minuten war es soweit: Landung. Jetlag hin oder her, unser Urlaub startete mit einem Blick auf eine Stadt, die mehr zu bieten hat als Romantik im Radio.
Die Landung war butterweich, der Rollweg kurz, und dann traf uns… die volle Wucht des amerikanischen Sommers. Ein Hitzeschlag deluxe! Aber statt dramatischem Zusammenbruch gab’s erst mal Sightseeing in Flughafengeometrie: Über die berühmte Brücke ging’s quer über den Taxiway – Flughafenarchitektur mit Wow-Faktor. Unsere charmanten Sitznachbarn winkten uns zum Abschied, und dann war es da: das Schild, das uns wie alte Freunde begrüßte – “Welcome to the United States.”.

Die Horrorgeschichten der Deutschen Presse – Bullshit. Denn tatsächlich, selbst beim Immigration Officer fühlten wir uns wie VIPs. Fingerabdrücke, Smalltalk, ein Lächeln – und zack: Willkommen in Amerika.
Der Mietwagen? Ein kleines Abenteuer für sich. Unser reservierter Riesenwagen war offenbar auf einem anderen Roadtrip. Ersatz gab’s in Form eines VW TAOS – für mich ein alter Bekannter aus dem Berufsalltag. Nicht ganz hollywoodreif, aber solide. Damit ging’s über Brücken und durch Wälder nach Bainbridge Island – kein Vorort im klassischen Sinne, eher ein Naturgedicht mit Straßennamen. Die Fahrt fühlte sich an wie durch ein Filmset von „Twilight“, nur ohne Vampire, dafür mit Lisa und Brad, die uns mit offenen Armen und offenen Herzen empfingen.
Das Zimmer? Traumkulisse. Vor dem Fenster sonnt sich eine Robbe, als wäre sie für unsere Begrüßung gebucht worden.

Und der Blick aus dem Schlafgemach auf den Puget Sound samt Olympic Nationalpark sprengt jede Postkarte. 30 Grad, klare Luft, Ruhe pur – und das Gefühl, angekommen zu sein. Ob morgens, abends, neblig oder sonnig: dieser Ausblick macht süchtig.





Aber das wahre Highlight ist die Nähe zu diesen Menschen, die uns wie Familie empfangen – obwohl wir uns selten sehen, fühlt es sich an wie gestern. Werner und Gail, Lisas Eltern, kommen aus Poulsbo und bringen Geschichten mit, die zwischen Grillduft und Wein wunderbar aufgewärmt werden. Mein Englisch? Noch mit Jetlag belegt, aber das legt sich. In 2–3 Tagen rede ich wieder wie ein Second-Hand-Native Speaker.
Schlaflos? Nicht wir! Nach 27 Stunden Dauerbetrieb sind wir abends um 22 Uhr wie Herbstlaub auf die Matratzen gesunken – und haben in unserem rustikalen Holzzimmer geschlafen wie Elfen in einem Märchenwald. Jetlag? Fehlanzeige. Hollywood hätte’s nicht besser inszenieren können.
Der nächste Morgen: graue Wolken statt Sonnenflut. Doch unser Motto lautet „Schön machen, was geht!“ – also rein ins Auto und mit unserer amerikanischen Familie gen Norden. Ziel: Lavendelfelder, die so duften, als hätte jemand den Sommer in Blütenform gegossen. Das berühmte Lavendelfest mit Musik und buntem Tamtam verpassen wir zwar, doch gerade das macht unseren Besuch so besonders – die Felder für uns allein, als wären wir die VIPs der Flora.






Nächster Programmpunkt: Beeren pflücken – und zwar nicht nur für Instagram, sondern richtig mit Körbchen und Körpereinsatz.


Die Erdbeeren streiken bereits (Frühschicht vorbei), doch Brombeeren, Himbeeren und Loganbeeren (eine fruchtige Kreuzung mit Charakter!) lassen sich nicht lumpen. Wir sind gerade hochkonzentriert beim Ernten, da tauchen sie auf: zwei Hirsche und ein Kleines, so fotogen, dass selbst der Pfau kurz neidisch wird. Sie naschen mit Hingabe, posieren fast professionell – und mein Kameraauslöser läuft heiß.


Ein Pfau? Ja, auch der stolziert später noch ins Bild, als hätte er ein Casting gewonnen.


Natur pur, Charme deluxe – und ein Tagesausflug, der in Erinnerung bleibt wie der erste Kinobesuch mit Popcorn und Gänsehaut.
Zweite Nacht – erfolgreich verschlafen. Zweites Abendessen – genossen. Und jetzt sollte endlich die Stadt glänzen, die diesem Blog ihren Titel geliehen hat: Seattle! Zeit für Großstadtflair mit Meerblick und Kunst, die Staunen macht.
Die Fähre war überpünktlich – ganz im Gegensatz zu uns. Aber Warten ist halb so wild, wenn die Sonne strahlt und man beim Umsehen entdeckt, dass die Modelle der Washington State Ferry im Maßstab gefühlt zu 90% aus Fahrzeugen meines Arbeitgebers bestehen.

Ein kleiner Stolz-Moment, bevor wir uns nach 30 Minuten Überfahrt, mitten in der Metropole wiederfinden – mit einer Skyline, die sich sehen lassen kann, und dem majestätischen Mount Rainier, der die Szene wie ein Natur-Kulissenbauer abrundet.



Erstes Ziel: das Chihuly Garden and Glass Museum. Kunst ist ja oft Geschmackssache, aber was Dale Chihuly da aus Glas zaubert, hat sogar meinen Skeptizismus zum Schmelzen gebracht. Farben wie aus einem Kaleidoskop, Formen wie von Fantasiehand erschaffen, und Muster, die wirken, als hätte Mutter Natur selbst mitgestaltet. Die Außenanlage kombiniert Glaskunst mit Grünzeug – nett, aber innen war es wie eine Märchenwelt in Glas.







Danach: die berühmte Space Needle.

Die Wartezeit? Naja… lang. Aber auch gesellschaftsstudientauglich. Vor uns ein Paar, das 45 Minuten lang das Schweigegelübde via Smartphone durchzog. Romantik 2.0 halt. Oben angekommen war die Aussicht zum Niederknien – oder in Oskars Fall, zum Draufstellen! Er wagt sich mutig auf die Glasbank vor der Glaswand.

Und ich? Lieber ein Foto gen Süden und Westen, dorthin, wo Bainbridge Island liegt und der Olympic Nationalpark in ein paar Tagen auf uns wartet. Wenn Claudias Fußgelenk mitspielt, wird’s ein Wanderabenteuer!



Zurück ging’s erstmal für Oskar und mich zu Fuß vom Space-Needle über die Metalltreppen nach unten. Knapp 8 Minuten haben wir benötigt. Und das, obwohl der Fahrstuhlführer von 30 Minuten und die Dame an der Tür, die uns zur Unterschrift unter einer Haftungsausschlußerklärung aufforderte, von 15 Minuten Gehzeit sprach. Claudia und Lisa nahmen derweil den Fahrstuhl. Und weiter mit Uber zum ikonischen Pike Place Market – ein Markt, der wie ein lebendes Wimmelbild wirkt. Menschen, Gemüse, Meerestiere und Fische. Nicht nur dicke Bastarde, sondern auch diejenigen, die hier wirklich durch die Luft fliegen . Fischfang mal anders – so lebendig, dass man sich fast duckt.



Wir haben uns noch die Architektur in der Innenstadt angeschaut,




bevor wir die Hinterlassenschaften, die die „Gutmenschen“ an Bundesgebäuden hinterließen, sahen und die bei uns Sprachlosigkeit hinterlassen haben. Für eine bessere odere andere Welt kämpfen ist gut und ehrenwert. Aber dann erstens das Eigentum anderer nicht wertzuschätzen und zweitens auch noch rassistische Hinterlassenschaften zu sprühen (wie widerwärtig ist es, von Nigga zu sprechen) – unbeschreiblich.




Zum Abschluss konnten wir die Rückfahrt mit der Fähre genießen. Und dieser Blick zurück auf die leuchtende Skyline von Seattle? Gänsehautpflicht.



Gänsehaut bekamen wir auch bei den Preisen, die der Supermarkt auf Bainbridge Island aufrief.


Ein Tag voll Eindrücke, Farben und etwas philosophischem Stirnrunzeln in der Warteschlange liegt hinter uns. Nicht schlaflos, sondern wunderschön.
Zusammenfassend kann man sagen: In den ersten Tagen unserer Reise nach Washington State erlebten wir einen bilderbuchreifen Anflug über Grönlands Gletscher bis hin zur majestätischen Skyline Seattles – gekrönt von Robben vor dem Fenster und herzlichem Wiedersehen mit langjährigen Freunden auf Bainbridge Island. Zwischen Lavendelfeldern, Beerenpflück-Abenteuern und tierischen Besuchern fühlten wir uns nicht nur von der Natur verwöhnt, sondern auch emotional reich beschenkt. Der Ausflug nach Seattle selbst brachte Kunstgenuss im Chihuly Museum, schwindelerregende Aussichten von der Space Needle und Fischfang in Flugform auf dem Pike Place Market – ein wahrhaft filmreifer Start in den Urlaub!
