Vier Pianisten – und ein Zug

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Weihnachten 2025: Wie jedes Jahr beginnt die Suche nach den richtigen Geschenken. Dabei geht es ja eigentlich gar nicht darum, irgendetwas zu schenken. Es geht darum, einem Menschen eine Freude zu machen. Etwas zu finden, womit oder wodurch er sich wohlfühlt. Und manchmal kommt dabei etwas heraus, das nicht nur ein Geschenk, sondern gleich ein kleines Abenteuer wird. Und das ist im Folgenden beschrieben.

Overtüre

Bevor ich weitererzähle, müsste ich eigentlich noch einmal einen kleinen Ausflug in den Sommer 2025 machen. Das erspare ich uns – und verweise stattdessen auf meinen damaligen Bericht „Tastengott“. Nur so viel zur Rückblende: Es war ein grandioses Musikerlebnis in Walkenried im Sommer 2025. Und schon bin ich wieder bei Weihnachten 2025. Meine große Überraschung für Claudia war die Idee, ein ähnliches Vergnügen noch einmal mit ihr zu erleben. Nur diesmal eine Nummer größer. Was wäre, wenn wir nicht nur einem Pianisten lauschen würden, sondern gleich vier? Vier Pianisten von der Qualität eines Joja Wendt. In einem Konzert. An einem oder vielleicht sogar zwei Flügeln.

Super Idee! Konzert gebucht, Karte erhalten – und schon lag Claudias Weihnachtsgeschenk unter dem Tannenbaum. Der Genuss sollte am 4. September 2026 im Berliner Admiralspalast stattfinden. Jenes Revuetheater oder Veranstaltungsort aus den jungen Jahren des 20. Jahrhunderts, dessen Schwülstigkeit auch heute noch zu sehen ist.

Wobei es vorher schon einen kleinen musikalischen Aperitif – oder Prelude- gab: Im Februar spielten Joja Wendt und Axel Zwingenberger, zwei Protagonisten, die wir auch in Berlin sehen sollten, in Oldenburg – vierhändig. Das wiederum war Claudias Geschenk an mich. Man könnte also sagen: Wir schenken uns gegenseitig Konzerte. Sehr praktisch. Man muss nur aufpassen, dass man beim gegenseitigen Beschenken nicht irgendwann selbst den Überblick verliert.

Die große Frage: Wie kommen wir nach Berlin? Die Übernachtung war gebucht, die Tickets waren da, der Freitagnachmittag war freigeräumt. Fehlte eigentlich nur noch eine Kleinigkeit: Die Anreise. Das Auto schied zunächst aus. Drei Stunden hin, drei Stunden zurück, Berliner Stadtverkehr und dazu die nicht gerade günstigen Parkgebühren – darauf hatte ich keine Lust. Außerdem muss man in Berlin bekanntlich auf einiges achten. Auf Lastenräder, E-Roller und auf Verkehrsteilnehmer, die offenbar der Meinung sind, dass Verkehrsregeln eher als unverbindliche Handlungsempfehlungen zu verstehen sind. Also wählten wir die Eisenbahn! Die Begeisterung bei Claudia hielt sich allerdings in Grenzen. 171 Euro für Hin- und Rückfahrt? Das ist schon eine Ansage. Aber wer das Buchungssystem der Deutschen Bahn kennt, weiß: Man kann mit etwas Glück auch einen ICE von Braunschweig nach Berlin für knapp unter 80 Euro bekommen. Für zwei Personen. Das ist es! Sozusagen gesucht, gefunden, gebucht. Wir waren schlauer als die Bahn. Dachten wir.

Erster Akt: Als ein Zug plötzlich schneller wurde

Freitag, 4. September 2026: ICE 798. Abfahrt: 15:03 Uhr ab Braunschweig Hauptbahnhof. Eigentlich eine völlig normale Information. Warum Claudia und ich sowohl am Donnerstagabend als auch am Freitagmorgen immer von 16:01 Uhr gesprochen haben, weiß vermutlich nur der liebe Gott. Oder der Teufel. Jedenfalls sorgte letzterer dafür, dass wir gegen 14:45 Uhr – also kurz vor der Abfahrt – nicht am Bahnhof in Braunschweig standen. Wir standen in Goslar. Das Handy erinnerte mich freundlich daran, dass mein Zug gleich fahren würde. „Nun gut“, dachte ich. „Ganz schön früh.“ Dann der zweite Blick. 15:03 Uhr. Nicht 16:01 Uhr.
Was war da eigentlich in meinem Kopf los? Und auch: Was war in Claudias Kopf los? Eine philosophische Frage, die an diesem Nachmittag allerdings nicht weiterverfolgt werden konnte. Denn jetzt wurde es sportlich. Das gebuchte Super-Duper-Sparangebot war natürlich weder stornierbar noch umbuchbar. 76,96 Euro waren damit gerade auf einem kleinen Ausflug ins Nirwana.

Zweiter Akt: Das Auto

Also hieß es: Autofahren. Natürlich war auch das Auto nicht vollständig geladen. Warum auch? Wenn man nur noch knapp vier Stunden bis zum Konzert hat, ist eine zusätzliche Ladepause schließlich genau das, was man braucht. Holterdiepolter ging es Richtung Osten.
Freitagnachmittag. A2. Alleringersleben. A36. Bernburg. Wer jetzt glaubt, dass sich der Verkehr dort ausgerechnet an diesem Freitag in Luft aufgelöst hätte, kennt die deutschen Autobahnen schlecht. Stau war also keine Überraschung. Eher ein Bestandteil des Reiseplans. Wir umfuhren die ersten Problemstellen und arbeiteten uns mit ungefähr 120 km/h Richtung Bernburg vor. Weiter über die A14 Richtung Magdeburg und anschließend wieder auf die A2 Richtung Berlin. Zwischendurch: Ladepause. Aber bitte nur das absolute Minimum: Zehn Minuten. Wir wollten schließlich nicht das Auto laden, sondern ein Konzert besuchen.
Dann kam der nächste Stau auf A10 und A115. Also runter von der Autobahn.Und hinein in die märkische Landschaft. Die Dörfer waren teilweise ausgesprochen hübsch. Bei anderen wiederum dachte man: Hier könnte man vermutlich interessante Immobiliengeschäfte machen. Unser Navigationssystem führte uns auf Straßen, bei denen zwei Smart vermutlich schon eine einvernehmliche Regelung hätten treffen müssen, wer jetzt eigentlich zuerst fahren darf. Aber wir vertrauten dem Navi. Das war mutig. Denn es führte uns tatsächlich bis vor eine Fähre bei Ketzin an der Havel. Eine Fähre – also Wartezeit mitten in unserem Wettlauf gegen die Zeit. Man muss sagen: Das Navi hatte Humor.

Irgendwie schafften wir es anschließend doch wieder auf die A10. Die Hotelankunft wurde inzwischen mit 18:50 Uhr angegeben. Das Konzert sollte um 19:30 Uhr beginnen. Es wurde also langsam interessant.

Plan B: Fadi

Da kam die rettende Idee: Fadi anrufen. Fadi ist ein großartiger Mensch, den ich durch Claudia kennenlernen durfte. Er ist nicht nur Berliner Polizist und kennt sich somit in Berlin naturgemäß ein wenig besser aus als zwei Niedersachsen auf Konzertmission. Unsere Frage war simpel: Wo können wir das Auto vernünftig und möglichst günstig abstellen, um anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterzufahren? Fadi wusste es. Natürlich wusste er es. Nur funktionierte unser schöner Plan leider nicht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns doch durch den Berliner Freitagnachmittagsverkehr bis zur Friedrichstraße zu kämpfen.

Ankunft am Hotel: 18:45 Uhr. Einchecken. Tiefgarage suchen. Auto parken und zurück zum Hotel laufen . Frischmachen? Keine Chance! Wir hatten schließlich ja auch keine Wellnessreise gebucht. Also wieder raus aus dem Hotel. Rechts die Straße hinunter, links in den Schiffbauerdamm, wieder rechts in die Friedrichstraße. Die Haare waren nass. Denn es regnete. „Wir brauchen keinen Schirm“, hatte ich zu Claudia gesagt. Auch ihr Angebot, durch den Bahnhof Friedrichstraße zu laufen (wohl die bessere Alternative) lehnte ich ab. Rückblickend würde ich sagen: Auch diese Einschätzung war noch etwas optimierungsfähig.

Das große Finale der Anreise

Um 19:23 Uhr standen wir vor dem Admiralspalast. Geschafft! Juhu!!. Die Security kontrollierte noch Claudias – sagen wir – nicht ganz kleine Handtasche, die wie alle Frauenhandtaschen innen größer ist als außen. Da müsste man nochmal einen Physiker fragen, ob er dort nicht wie Einstein seinerzeit mit seiner speziellen Relativitätstheorie physikalisch bahnbrechendes erkennen will.

„Es geht gleich los.“ hörten wir Mr. Sicherheit noch sagen. „Ach was. Das habe ich jetzt nicht erwartet.“, hätte ich gerne entgegnet. Doch wir ließen keine Zeit liegen und gingen schnellen Schrittes zum Eingang Nummer 8, den wir auch am Ende des Ganges fanden. Wir waren tatsächlich die letzten Besucher, die in Reihe B noch fehlten. 19:27 Uhr.

Wir saßen auf unseren Plätzen. Sechs Minuten vor Beginn (Das Konzert begann 3 Minuten später um 19:33 Uhr). Das ist keine Verspätung. Das ist äusserste Präzision. Angesichts der Erlebnisse würde ich sagen: Eine grandiose Leistung – wie man es von mir kennen sollte. In der Automobilindustrie würde man sagen: Just in time, denn wir waren pünktlich da, genau wie die Steinway Flügel, die spielbereit auf ihren Einsatz warteten.

Dass das Konzert erst um 19:33 Uhr begann, war natürlich ein ausgesprochen glücklicher Zufall. Und damit war unser persönliches Präludium beziehungsweise unsere Ouvertüre – um in der Musiksprache zu bleiben – beendet.

Jetzt kamen die vier Pianisten. Und die hatten es nicht nötig, gegen die Uhr zu spielen. Obwohl man angesichts des Tempos ihrer Finger durchaus von einem zeitlichen Wettlauf sprechen könnte. Zurück zu den vier Pianisten: Vier Welten – vier unterschiedliche Stile und vier unterschiedliche Fähigkeiten. Und doch passten sie an diesem Abend zusammen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

  • Joja Wendt – der Entertainer unter den Tastengöttern
    Joja Wendt ist nicht nur ein herausragender Pianist, sondern ein begnadeter Entertainer. Er beherrscht den Flügel (nach eigener schmunzelnder Aussage) virtuos, spielt technisch höchst anspruchsvolle Stücke und hat dabei noch die erstaunliche Fähigkeit, dem Publikum das Gefühl zu geben, als säße man nicht in einem Konzertsaal, sondern mitten in einem sehr unterhaltsamen Gespräch. Nur dass der Gesprächspartner in diesem Fall ein Steinway-Flügel ist. Und der antwortet mit Tönen.
    Was Joja an diesem Abend aus den Tasten holte, war teilweise so anspruchsvoll, dass ich als normaler Klavierspieler schon beim Zuschauen fürchtete, eine Sehnenscheidenentzündung zu bekommen. Dabei wirkt er locker, konzentriert und manchmal geradezu spielerisch. Was vermutlich der größte Trick eines großen Musikers ist: Es sieht leicht aus. Obwohl es das ganz sicher nicht ist.
  • Axel Zwingenberger – wenn Boogie Woogie plötzlich Hochgeschwindigkeit fährt
    Axel Zwingenberger ist weltweit bekannt für Boogie Woogie. Und das völlig zu Recht. Was da rhythmisch und technisch über die Tastatur jagte, war schlicht unglaublich. Tempo, Präzision und ein Rhythmus, der einen praktisch automatisch mitwippen lässt. Man sitzt da, hört zu und denkt irgendwann: „Das möchte ich auch können.“ Und fünf Sekunden später: „Nein, eigentlich doch nicht.“ Denn spätestens beim Blick auf die eigenen Hände wird klar, dass zwischen „Ich spiele ein bisschen Klavier“ und „Axel Zwingenberger spielt Boogie Woogie“ ungefähr so viel liegt wie zwischen einer gemütlichen Fahrradtour und der Tour de France.
  • Sebastian Knauer – der Mann mit den Noten
    Sebastian Knauer ist der Klassikpianist im Quartett. Mit Echo-Preis ausgezeichnet und – so Joja Wendt augenzwinkernd – der einzige der vier, der Noten lesen kann und anschließend sogar das spielt, was darin steht. Das ist natürlich gemein. Aber auch ein wunderbarer Beleg dafür, wie unterschiedlich die vier Musiker sind. Knauer brachte eine ganz andere Klangwelt in das Quartett: Weich, dynamisch, präzise und mit einer beeindruckenden musikalischen Tiefe. Während bei den anderen teilweise die Hände wie Propeller über die Tastatur flogen, hatte man bei Sebastian Knauer manchmal den Eindruck, dass jeder Ton (trotz schneller Abfolge) vorher persönlich eingeladen worden war. Und trotzdem war auch hier nichts statisch. Klassik kann eben durchaus grooven.
  • Martin Tingvall – Jazz, der sich nicht festlegen lässt
    Martin Tingvall ist Jazzpianist und gehört zu den erfolgreichsten Vertretern seines Genres. Bei ihm wurde besonders deutlich, was Jazz ausmacht: Freiheit. Improvisation. Überraschung. Und die Fähigkeit, aus einem musikalischen Gedanken etwas völlig Neues entstehen zu lassen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass selbst die anderen drei gespannt waren, was jetzt wohl passieren würde.

Und genau das machte den Abend so besonders. Denn hier standen keine vier Musiker auf der Bühne, die einfach nacheinander ihre Stücke abarbeiteten. Hier trafen vier musikalische Persönlichkeiten aufeinander. Zwei Flügel, vier Pianisten – und manchmal acht Hände: Jazz traf Klassik. Klassik traf Boogie Woogie. Moderne traf Jazz. An einem oder zwei Steinway-Flügeln wurde mit zwei, vier, sechs oder sogar acht Händen gespielt. Und spätestens bei acht Händen an einem Flügel stellte sich mir die Frage: Haben die Hände bei den 88 Tasten (40 Finger) überhaupt noch genug Platz zum Spielen? War der Platz nicht die natürliche Grenze des Möglichen? Beim Stehen und Sitzen schon, wie das letzte Foto beweist.

Das Programm jedenfalls kannte kaum Grenzen. Bach. Chopin. Eigenkompositionen. Und natürlich „Sheik of Araby“, den Joja Wendt in den unterschiedlichsten Stilen und Tonarten präsentierte. Einfach großartig. (Ein Eindruck – nicht aus dem Konzert – soll hier gegeben werden) Die Hände flogen über die Tastaturen, als hätten sie einen eigenen Terminkalender und müssten dringend zum nächsten Einsatz. Oder sie wollten einfach pünktlich erscheinen. Wie auch wir im Konzert.

Es gab Töne, Rhythmen und Wendungen, die ich nicht erwartet hatte. Und gerade bei den improvisierten Passagen konnte man manchmal den Eindruck gewinnen, dass nicht nur wir im Publikum überrascht waren. Wenn einer der vier alleine spielte und die anderen drei zuhörten, sah man durchaus einmal ein anerkennendes Lächeln. Vielleicht dachten sie: „Interessant. Das ist jetzt auch für mich neu.“ Und genau darin lag ein Teil der Magie dieses Abends.

Ein Konzert, bei dem die Hände schneller waren als der Kopf. Die Rhythmen rissen mit. Die Dynamik war unglaublich. Harte Anschläge wechselten mit unglaublich weichen, fast zarten Passagen. Mal donnerte es aus den Flügeln, mal wurde es so fein, dass man förmlich den Atem anhielt. Nur das dumpfe Treten des Pedals am linken Flügel, dass durch ein offensichtlich nicht gut angebrachtes Mikrofon zu einem dumpfen Geräusch in der PA führte, trübte den Genuss ein wenig. Aber wirklich nur ein wenig. Denn ich saß da und dachte: Schade, dass ich so etwas nicht kann.

Wobei man fairerweise sagen muss: Ich verdiene mein Geld auch nicht damit. Und ich spiele – beziehungsweise spielte – auch nicht acht bis zehn Stunden täglich Klavier. Das beruhigt mich dann doch ein wenig.

Um 22:15 Uhr war das Konzert vorbei. Ein ereignisreicher Abend mit Happy End ging zu Ende. Und knapp 1,5 Stunde später lagen wir im Hotelbett. Kaputt. Aber glücklich. Sehr glücklich. Denn das Weihnachtsgeschenk hatte sich mehr als gelohnt.

Berlin am nächsten Morgen


Das Wochenende hatte am Sonnabend noch einen weiteren Höhepunkt. Nicht etwa, weil wir in der klaren Morgenluft durch Berlin spazierten. Obwohl wir das natürlich auch taten. Und so sahen wir auf dem Weg zum Brandenburger Tor gleich neben dem Hotel eine Skulptur in Form einer Bombe, die uns nachdenklich machen sollte. Sag mir wo die Blumen sind (Where Have All the Flowers Gone). Eine Erinnerung an eines der bekanntesten Antikriegslieder der Welt.

Sicher nicht dort, wo die Raketen und Waffen sind. Aber auch nicht am Brandenburger Tor, das wir fast menschenleer fotografieren konnten.


Wir gingen Unter den Linden entlang, vorbei an der Humboldt-Universität und zur Neuen Wache. Dort blieb mein Blick an der Gedenktafel hängen. Es wäre schön, wenn sich nicht nur Politiker, sondern wir alle immer wieder daran erinnern würden, was dort geschrieben steht – und vor allem, wenn Wissen nicht nur zum Erinnern, sondern auch zum Handeln führt.

Anschließend ging es am Fernsehturm und am Berliner Dom vorbei zurück zum Hotel.

Denn wir hatten noch eine Verabredung. Mit Fadi.

Berlin mit anderen Augen

Über diesen Teil wird nicht viel berichtet. Denn er ist dann doch eher zu privat. Nur so viel sei gespoilert: Nach einem großartigen gemeinsamen arabischen Essen zeigte uns Fadi (Herzlichen Dank an ihn und seine Frau) sein Berlin. Nicht das Berlin aus dem Reiseführer. Nicht das Berlin, das man als Tourist sieht. Sondern das Berlin eines Menschen, der hier lebt, arbeitet und die Stadt kennt. Wir waren an diesem Abend nicht einfach Touristen. Wir waren Freunde. Und das ist tatsächlich etwas ganz anderes.

Ein Wochenende, das bleibt

Alles in allem war es ein wunderbares Wochenende. Zum Abschluss lernten wir noch eine „militante“ Radfahrerin aus dem intellektuellen Millieu kennen, die nach einer potenziellen Fahrzeugbeschädigung gegen die Einbahnstraße vor dem Fahrzeugführer flüchtete. Eine Verfolgung, ein Stoppen der Radlerin, ein beherztes Eingreifen von Fadi und eine Klärung der Situation in bester „Die Straßen von San Francisco“-Manier beendeten dann unseren Berlin Besuch. Blos weg von den militanten Radlern, aber leider auch von schönen Erlebnissen. Danke großer Bruder.

Am Sonnabend gegen 22 Uhr endete das „Weihnachts-Abenteuer“ schließlich in Goslar. Wir waren müde. Eigentlich ziemlich kaputt. Aber gleichzeitig glücklich und erfüllt von einem großartigen Konzert, einem kleinen Reiseabenteuer und einer besonderen Tour durch Berlin. Und natürlich bleibt vor allem eines: Vier Pianisten. Vier musikalische Welten. Vier außergewöhnliche Könner. Und ein Konzert, bei dem 88 Tasten plötzlich ausreichten, um ein ganzes Universum an Musik entstehen zu lassen.

Und irgendwo dazwischen waren noch Claudia und ich. Kein Zug, aber dafür ein supergeiles Konzert und eine vertraute Zusammenkunft mit Fadi. Und das waren am Ende eindeutig die besseren Verbindungen als die mit der Bahn.